Das F-Wort

Ich hab mich lange (sehr lange) gefragt, ob ich überhaupt über Feminismus schreiben soll. Oder ob ich das überhaupt darf, weil andere ja so viel mehr darüber wissen. Aber da geht es ja schon los. Wieso soll ich das nicht dürfen? Ist doch mein Blog. Vielleicht muss ich sogar. Weil Feminismus für viele (trotz Trend) fast ein Schimpfwort ist und einige immer noch an brennende BHs denken (die es wirklich nie gegeben hat). Weil Ungerechtigkeiten aufgrund des Geschlechts immer noch eine Tatsache sind, nicht nur jenseits unserer schönen, heilen, westlichen Welt.

Mit Anfang 20 entdeckte ich die Mädchenmannschaft und ging zu einer Lesung der Alphamädchen. Euphorisch verschenkte ich das Buch an Freundinnen und schrieb einen kurzen, bösen Leserbrief an die Zeit Campus, weil ich zu naiv für Ironie war und Chris Köver noch nicht kannte (zu allem Überfluss wurde er auch noch gedruckt; ich schäme mich heute noch). Ich las Full Frontal Feminism und abonnierte die Missy. Von meiner Mutter lieh ich mir „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, aber ließ es einstauben. Ich fand das alles wahnsinnig wichtig, aber irgendwie hatte es nicht so richtig was mit mir zu tun. Dachte ich. In den darauf folgenden Jahren verlor ich das Thema irgendwie aus den Augen. So sehr, dass ich nicht mal das mit Ronja von Rönne mitbekam. Ich war quasi mit Karriere beschäftigt. Bis ich merkte, dass man es als Frau* in der Wissenschaft irgendwie nicht so leicht hat. Dass überall Professoren saßen, die in Findungskommissionen entschieden, dass eine Bewerberin zu wenig Veröffentlichungen hat (Elternzeit, ups) oder auf Podiumsdiskussionen sagten, sie würden ja gern Nachwuchsforscherinnen fördern, „aber die wollen halt nicht“. Ich wollte dann auch nicht mehr, aus vielen Gründen, aber die strukturellen Probleme zählten dazu.

In den paar Jahren ist viel passiert. Shirts mit „Feminist“ oder „GRL PWR“ kann man bei sämtlichen Modeketten kaufen. Beyoncé huldigt Chimamanda Ngozi Adichie und alle anderen huldigen Beyoncé. Während man in meiner Jugend mal was von Alice Schwarzer gehört hatte, beschäftigen sich Teenager heute ernsthaft mit Feminismus. Intersektionalität ist nicht mehr unbedingt ein Fremdwort und viele versuchen, sich mit ihren Privilegien auseinander zu setzen.

Als ich schwanger wurde, begab ich mich auf die Suche nach feministischen Inhalten zu Elternschaft. Bis auf das Eltern ABC konnte ich nicht viel finden, aber das ändert sich gerade langsam. Hier und hier gibt es zum Beispiel Reihen zu feministischen Müttern. Doch trotz der schönen Theorie tappte auch ich kurz nach der Geburt voll in die „Mental Load“-Falle; ein Begriff, der im letzten Jahr geprägt wurde und – zumindest in meiner Filterblase – gerade viel diskutiert wird. Apropos Filterblase: Etwa zur gleichen Zeit erschien dieser Artikel zum #stillenistliebe von Mareice Kaiser. Ich fand ihn gut, wichtig und richtig. Viele andere stillende Frauen fühlten sich jedoch angegriffen und vielleicht auch verunsichert. Über die ambivalenten Erwartungen an junge Eltern (und besonders Mütter) und die daraus resultierende Verunsicherung haben andere Menschen in der Tat schon schlaue Sachen gesagt (zum Beispiel Mareice und Josefine, die damit schlussendlich die Inspiration für meinen Blog lieferte). Aber vielleicht hilft ja noch ein bisschen mehr Feminismus im Netz anderen, besser damit umgehen zu können.

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